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NIGHT & DAY - PLAYS THEM ALL

 

 



...Morning may come without warning
and take away the stars...

NIGHT AND DAY

Die frühen Kenntnisse der Jazzmusik aus Schulbands, Tanzbands usw. führten in der Zeit des Freejazz- Einheitsspiels zu der seltsamen Überlegung jene zu einem Kontrapunkt im Geschehen einzuführen (ob es einer war, sei dahingestellt). Die Vorstellung jedenfalls nach dem Freejazzkonzert (wo der klassische Jazz kein Zutritt hatte) ein tanzantes Swingorchester auftreten zu lassen, war schon gewagt: manche tanzten, vergnügten sich, manche ahnten Verrat.

Wir vier hatten auf einmal unsere frühere Begegnung und Aufführungspraxis mit dem "klassischen"
Jazz wieder hervorgeholt und in einen Kontext gestellt, der für diese Musik in dieser Zeit ungewöhnlich war; als Tanzorchester auf geräuschvollen Parties, Filmfestspielen, Künstlerfesten und wie gesagt als Aperçu nach einem Freejazz-Abend. Die Musik wurde nicht "ehrwürdig" in Clubs mit stillen Zuhörern vorgestellt, sondern mitten in plaudernde, tanzende Massen hineinplatziert, gewissermassen als Funktionsmusik, was uns nicht störte, Hauptsache die Anwesenden tanzten. Es inspirierte uns "Eins- zu- sein" mit den Tanzenden. Wir vier spielten ja auch hauptsächlich "neue" Musik, ausschliesslich zum Zuhören gedacht, bot sich jetzt den Gästen, denn es waren oft solche, konnten sie doch gut Swing tanzen (meistens nach einem oder zwei Glas Wein), die Möglichkeit zu einem Jazzorchester zu tanzen !

Der leider viel zu früh verstorbene Künstler Martin Kippenberger, war ein oft gesehener Gast auf den Künstlerfesten und tanzte meistens "mit" der Band bis in die Morgenstunden. Die Premiere der Band war eine Kunsteröffnung in Essen 1984 anlässlich der Ausstellung "Wahrheit ist Arbeit" mit Werner Büttner, Albert Oehlen und Martin Kippenberger. Zu den schwierigsten, aber interessantesten Aufgaben gehörte das während des Essens oft verlangte leise Musizieren: Swingend und ganz leise sich ins Tischgeklapper und Gemurmel einzufügen. Gelegentlich hatten wir die Möglichkeit einen Gastsänger dazu zu holen. So war der Engländer Lol Coxhill mehrmals zu Gast, sowie auch die aus Nordamerika kommende Sängerin Shelley Hirsch. Die Gastspiele in der DDR brachten Gäste wie der Saxophonist Ernst Ludwig Petrowsky und die Sängerin Uschi Brüning!

Zu manchen Auftritten mit Tanz in Nachtclubs, mussten wir ein eigens mitgebrachtes dickes Seil um die Band aufspannen, damit die Tanzenden nicht in die Instrumente fielen. Dann auch das selten Erlebte: Musikstücke aufgeführt zu haben, wobei die Kommunikation unter den Gästen und Tanzenden so auf dem Höhepunkt war, dass sie auf das Klatschen vergaßen.

Unser Bassist Jay Oliver hatte ein schwaches Herz, er verstarb leider schon 1993 und ist in Berlin Kreuzberg begraben. Ein sehr liebenswürdiger Mann, der mit seiner weichen Baritonstimme, die Damen oft in Verzückung versetzte. Oftmals fand er, nach reibungslos durchgestandener Probe, mitten in einem "Tanz-Set" die Noten zum nächsten Stück nicht in seiner Mappe vor und mit der legendären Aussage "I don't have it" uns schnell entscheiden ließ, zum nächst besten Stück voranzuschreiten!

- Also spielten wir nach Noten, Noten die wir mühsam zusammengesucht hatten aus Bibliotheken, Notensammlungen und welche von befreundeten Musikern, zum Beispiel Arjen Gorter, Bassist aus Amsterdam (der auch gelegentlich eingesprungen war für Jay Oliver) uns zugeschickt wurden. Schließlich sind hier auf dieser Dokumentation die 115 Titel aufgenommen, die wir für die Gestaltung eines Tanzabends zur Auswahl hatten.

Viel Vergnügen!

S.A.Johansson 2002