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GALERIE & EDITION
ARTELIER
ELIKA BARTEK
"KVÊTOSLAVA"
24. September - 20. Oktober 2002
In ihren neuesten Arbeiten
entfuhrt uns Elika Bartek in eine Welt des Suggestiven, in
einen Garten der großen Gefühle.
Durch Überblendungseffekte unterzieht sie Natur einer Metamorphose,
um sie in mikrokosmischer Erscheinungsform neu erstehen zu lassen. Daraus
resultiert ein Widerstreit zwischen Realität und Phantasie,
von dem sich bereits Künstler von Hieronymus Bosch bis zu den
Surrealisten und Dadaisten inspirieren ließen.
Das Organische scheint Elika Bartek , die aus der gegenstandslosen
Malerei, geprägt durch starke Gestik und Farbigkeit herkommt,
in diesen Arbeiten besonders wichtig zu sein.
Ohne Realität abzubilden, verfolgt sie hier in einer emotionalen
Abstraktion die Beziehung der Formen zur Innenwelt, wie es bereits
Wassily Kandinsky formulierte: "Das ist schön, was einer
inneren seelischen Notwendigkeit entspricht."
Ihre farbige Empfindungsreise fuhrt uns in Zentren, deren Sogwirkung
wir uns nur schwer entziehen können.
Aus einem meist schwarzen höhlenartigen Untergrund, einer unendlich
erscheinenden Tiefe und Stille wachsen Blüten oder ansatzweise
vegetabile Formen, deren eruptive Kraft durch intensive Farbigkeit
und extreme Licht- Schatten- Effekte zu wirken beginnt.
Hoch empfindliche Filme werden hier eingesetzt, die entweder Konturen
verunklären oder Details wie unter dem Mikroskop sichtbar werden
lassen. Die Oberfläche der Blätter erscheint dadurch entweder
als ephemerer Körper oder als verletzliche Haut in all ihrer
Zartheit und Vergänglichkeit. Es ist kein Zufall, daß
Blumen stets Stilleben begleiteten, die Endlichkeit, Vergänglichkeit
und gleichzeitig die Schönheit des Augenblicks in der Stille
thematisieren. Elika Bartek modifiziert dieses Genre, indem
sie in malerischer Manier Blumen durch gezielte Lichteinflüsse
farblich stark verändert, ihnen kurzfristig ein ganz besonderes
Leben einhaucht, um sie gleichzeitig damit zu vernichten. Denn das
extreme Licht verbrennt die Blumen, nachdem es sie für den
Moment in betörender Schönheit und Intensität aufflackern
ließ.
Es handelt sich hier nicht um Abbildung von Realem, sondern um präzise
Reduktion auf archetypische Symbole, ohne plakativ zu sein. Bartek
abstrahiert, reduziert und zentriert ihre Intention, vernachlässigt
oder verbirgt aber nicht ihre Emotion.
Zeichnet man die Geschichte der Abstraktion von ihren Anfangen um
1910 über das Informel bis zur neuen Malerei der Abstraktion
ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts nach, so erkennt man die
unterschiedlichsten Transponierungen von zwei Parametern, nämlich
der Verabschiedung vom Gegenstand und der Einbringung der Psyche
in vielfältige metasprachliche Codierungen.
Elika Bartek läßt
sich in ihrer Form der Abstraktion, die auch konzeptuell geprägt
ist, auf eines der ältesten Sujets der Kunstgeschichte, nämlich
Blumen, ein, und negiert deren Symbolhaftigkeit nicht, sondern überbietet
sie gleichsam durch extreme Vergrößerung, Ausschnitthaftigkeit
und zum Teil durch Verunklärung, womit sie beim Betrachter
eine Assoziationsfähigkeit zu elementarsten Ereignissen weckt.
Besondere Spannung erreicht Bartek durch die Ambivalenz vom in sich
ruhenden Selbstverständnis ihrer solitär präsentierten
Entdeckungen und einer gleichzeitig eruptiven Dynamik, die durch
Überblendungseffekte wie Zeitrafferaufnahmen wirkend, entstehen.
Damit löst sie die Form des klassischen Bildes aus ihrer Statik
und führt sie über das Medium der bearbeiteten Photographie
in einen prozessualen Verlauf.
Es ist nicht das genaue Erkennen, was zählt, sondern ein "Dazwischen",
was die Skepsis des Sehens bezeugt. Denn trotz aller biologischer
und genetischer Forschungserkenntnisse, der sukzessive vermeintlich
erkennbaren inneren Strukturen des Lebens scheint gemäß
der Unschärferelation des Atomphysikers Werner Heisenberg immer
noch zu gelten: "Je genauer man hinsieht, desto weniger erkennt
man."
Man verliert bei Barteks Arbeiten aus der Nähe das Gesamte
aus den Augen bzw. man sieht etwas anderes oder verliert sich in
verführerischen Details.
Mit ihrer Arbeit begibt sie sich abseits aller wissenschaftlichen
Genauigkeit, aber mit künstlerischer Präzision auf die
Suche nach Zusammenhängen des Lebens.
Aus ihrem Wissen um die Unschärfe der Welt in ihrer Gesamtheit,
um die Logik der Vielwertigkeit schafft sie ihre Arbeiten und verweist
auch formal auf die Unmöglichkeit, einen Gegenstand durch bildliche
Darstellung eindeutig festlegen zu können. Genau im Gegenteil
läßt sie uns etwas sichtbar werden, was wir gar nicht
sehen. Mit ihrem "Auslöser" betätigt Eliska
Bartek nicht nur ihre Kamera, sondern löst ebenso in uns Erinnerungen,
Visionen und Gefühle auf hohem ästhetischem Niveau aus.
Elisabeth Fiedler,
Landesmuseum am Joanneum, Neue Galerie Graz
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